Ästhetik contra “Geldbeutel”?

Es sind Meldungen, die Fachleute wie Laien aufhorchen lassen. Etwa jene OP in Hamburg, bei der ein Ärzte-Team am evangelischen Amalie-Sieveking-Krankenhaus eine Gebärmutter allein durch einen kreisförmigen, etwa 1,5 Zentimeter langen Hautschnitt, der im Nabel angelegt wurde, entfernt hat. Gut für die Patientin, denn die hat vermutlich weniger Schmerzen, und es bleiben keine Narben. Dabei scheint sich das Verfahren auch für andere Aufgabenstellen zu eignen und – zumindest für die Patienten -, auch zu lohnen. So hatte früher, bei einem konventionellen Eingriff, die Entfernung einer Gallenblase schon mal eine bis zu 15 Zentimeter große Narbe am oberen rechten Bauchraum zur Folge. Die sah dann nicht nur unschön aus, sondern konnte auch Probleme machen. Denn viele Narben heilen schlecht und/oder ziehen Bauchnarbenbrüche nach sich …

Doch dann schlug die Stunde der Schlüsselloch-Chirurgie, die auch bei den Krankenkassen (geringere Verweildauer im Krankenhaus = geringere Kosten) durchaus Anklang fand. So nehmen heute Chirurgen den Eingriff in der Regel im Rahmen einer Bauchspiegelung vor, wobei drei bis vier kleine Schnitte – eher Stiche -, in die Bauchdecke gesetzt werden. Durch diese Eröffnung der Bauchhöhle führt das Team dann (s)ein Endoskop, quasi das “Auge” des Arztes, und die benötigten, extrem zierlichen Operationsinstrumente ein.

Das Novum der neuen, so genannten Single-Port-Technik, besteht nun darin, dass der komplette Eingriff über eine einzige, gemeinsame Öffnung (die am Grund des Bauchnabels gesetzt wird) erfolgt. Von der nur 15 bis 20 Millimeter (!) langen Narbe ist dann später so gut wie nichts zu sehen.

Dabei dauerte weder die eingangs erwähnte Gebärmutter-Operation noch eine Gallenblasen-OP via Single-Port-Verfahren wesentlich länger als die entsprechende herkömmliche, endoskopische OP. Auch Fehlschläge konnten bei Analysen nur selten entdeckt werden. Freilich kann es vorkommen, dass die Chirurgen während der Operation letztendlich doch weitere Ports anlegen müssen. Ebenso, wie es immer Gründe geben kann, dass das OP-Team sogar zur konventionellen Methode mit “offenem” Bauchschnitt übergehen muss.

Insgesamt jedoch sehen die Experten beim Single-Port kein höheres Risiko als bei einer Mehr-Port-Technik mit mehreren Zugängen. Allerdings sind die Kosten derzeit höher. Die könnten, mit entsprechender Verbreitung der Methode, natürlich sinken. Auch kann es natürlich sein, dass diese Methode gezielt von Patienten nachgefragt wird und sich allein schon deshalb etabliert. Derzeit jedoch stehen der besondere Charme dieser narbenfreien Methode und der Spargedanke noch im Widerspruch.

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